Radtour durch den Algarve und Alentejo März/April 2003
Anreise
Die Anreise zu unserer 2-wöchigen Tour erfolgte mit dem Flieger zum Zielflughafen Faro. Die Radmitnahme kostete uns 25,-€/ Flug (Air Berlin) und war unproblematisch. Wenn man abends ankommt, bietet es sich an die erste Nacht in Faro zu verbringen. Vom Terminal aus sind es ca. 8km entlang von Hauptverkehrstraße bis zum Ort. Dort gibt es zahlreiche Pensionen und am südöstlichen Ortsrand eine fahrradfreundliche Jugendherberge.

Charakter
Die gefahrene Gesamtstrecke belief sich auf knapp 700km (ohne Abzweige zum Pulo do Lobo bzw. Monchique). In Portugal gibt es praktisch keine Radwege; man fährt auf den gerade in der Nebensaison wenig befahrenen Nebenstrecken, die sich zumeist, dank großzügiger EU-Förderprojekte im guten bis sehr guten Zustand befinden (Ausnahmen bestätigen die Regel: N393 südlich Milfontes, Hauptstrecke (N123) zwischen Mértola und Castro Verde).
Die "Berge" im Hinterland hatten nie mehr als 300 Höhenmeter, waren aber gerade im unmittelbaren Hinterland der Küste teilweise sehr steil. Im Tal des Guadiana führt die Route weitestgehend parallel zum Fluss und ist entsprechend leicht zu fahren. In der Steppe um Mértola und Castro Verde ist es eher hügelig mit sanften Anstiegen; dieser gut zu bewältigende Streckenabschnitt setzt sich bis zur Küste weiter fort. Die Küstenstraßen im Westen sind in der Hauptsaison stark befahren, im Frühjahr aber wenig befahren und wunderbar zum radeln geeignet. Die EN125 an der Südküste hat zumeist einen breiten Standstreifen, ist aber immer stark befahren.
Ein gutes Trekkingrad mit ordentlicher Schaltung und profilierter, nicht zu schmaler Bereifung (gerade an der Westküste locken zahlreiche Schotterwege entdeckt zu werden) ist angebracht.

Karten
· Marco Polo, Algarve Portugal Süd; 1:200.000; Höhenangaben, keine Angabe von Steigungen und Höhenlinien, aber Schummerung vorhanden; Zeltplätze und viele weitere Symbole
· Michelin Blatt 440; 1:400.000; Angabe von Höhen und Steigungen in zwei Gruppen (7-12%, über 12%); Zeltplätze und viele weitere Symbole

Die Tour ist nicht in allen Einzelheiten beschrieben, allerdings kann man sich unter Zuhilfenahme einer guten Karte und der Tourskizze ein gutes Bild der gefahrenen Strecke machen. Die Beschreibung dieser Tour wurde nicht gemacht, damit sie 1:1 nachgefahren wird, sie soll euch animieren eure eigene Route durch dieses Land zu planen!

Auskünfte
www.adfc.de
(spezielle Informationen zum Radfahren in Portugal)
www.portugalforum.de
(allgemeine Informationen zu Portugal, auch zu Radfahren)
www.setemares.pt
(Informationen zum Radtourismus)
www.sej.pt
(Übersicht der Jugendherbergen im Land)

Reisezeit
Im Frühjahr (März bis Mai) ist es einfach am schönsten! Die Landschaft steht in voller Blüte und die Vögel singen an jeder Ecke. Allerdings gibt es auch Nachteile; so wird es etwa Ende März bereits gegen 1800 dunkel und das geht in Portugal sehr schnell von Statten (Beachten bei der Schlafplatzsuche!). Die Nächte können empfindlich kalt sein; wir hatten auch schon mal nur ca. 5°C. In den Bergen des Algarve gibt es mehr Regen als im Alentejo; Regenbekleidung ist unbedingt einzuplanen. Falls diese Fakten jetzt eher abschrecken, möchte ich aber auch noch erwähnen, dass wir tagsüber zumeist topp Radfahrwetter mit 20-25°C hatten.

Unterkunft
Zimmer gibt es in Alcoutim (auch Jugendherberge), Mértola und Castro Verde, während es an der Küste vielfältige Unterbringungsmöglichkeiten, neben Zimmern auch Campingplätze und in Faro sowie Lagos eine Jugendherberge gibt. Es werden nicht immer Angaben zu unseren Schlafplätzen gemacht; wenn kein Verweis darauf vorhanden ist, haben wir im Freien geschlafen. Entweder fragt man beim Vorhandensein von Höfen um Erlaubnis oder sucht sich so eine Stelle wo man niemanden stört. Das man am anderen Tag keinerlei Spuren des Lagerns zurücklässt sollte selbstverständlich sein. Offiziell ist das Campen im Freien verboten.

Die Tour im Detail

1. Tag:
Faro - Olhão - Tavira - Tanoeiro (Barragem de Beliche)

64 km

Von Faro aus geht es die EN 125 nach Osten in Richtung Olhão. Dort treffen wir auf einer direkt an der EN gelegenen Kirche auf das erste der zahlreichen besetzten Storchennester unserer Reise.
Wir folgen der vielbefahrenen Küstenhauptstraße nach Tavira und verlassen diese zum Barragem de Beliche den recht steilen Bergen entgegen. Da wir jetzt in recht dünn besiedeltes Gebiet kommen, sollte man sich zuvor gut mit Wasser und Lebensmitteln eindecken (größere Lebensmittelläden erst wieder in Alcoutim).
Wir haben das natürlich nicht beachtet und mussten uns dann auch mal einen Müsliriegel zu dritt teilen... Am Stausee kann man Schildkröten beobachten, Wiedehopfe, Schwarzkehlchen und Rothühner rufen in der umliegenden Macchia. Es blühen jetzt die allgegenwärtige Lackzistrose (Cistus ladanifer), Behaarter Ginster (Genista hirsuta) und das Gefleckte Sandröschen (Tuberaria guttata).

Tavira am gezeitenbeeinflußten Rio Sequa
Tante Emma-Laden an der EN125

2. Tag:
Tanoeiro (Barragem de Beliche) - Azinhal - Alanie (Rio Guadiana)
42 km

Die Strecke bis Azinhal ist nicht ohne und kostet uns jede Menge Kraft (zwei sehr steile und lange Anstiege). Belohnen kann man sich dann in der Kneipe am zentralen Platz in Azinhal mit der "Prato do dia" (Tagesgericht - Überraschung!). Der Guadiana zeichnet sich durch tolle Kulissen und flache Streckenverläufe aus. Reife Orangen sind auch noch im März/ April am Baum, als "Unterpflanzung" kann man hier häufig das Große Immergrün (Vinca major) vorfinden (verwandt mit dem bei uns weit verbreiteten Kleinen Immergrün (V. minor)).

Erster Blick auf den Rio Guadiana

3. Tag: Alanie (Rio Guadiana) - Alcoutim - Mértola
62 km

Auf dem nun folgendem Wegstück nach Mértola gibt es häufig Gelegenheit das Rad mal richtig laufen zu lassen; mit Gepäck kommt man schnell mal auf 50/ 60 km/h - Vorsicht bei Wind und eventuellen Schlaglöchern. Wir konnten auf der Strecke mehrmals Schwärme von 20-30 Blauelstern sehen. Im maurisch geprägten Mértola angekommen sollte man sich auch mal ein Bifanas (dünnes, würziges Schweinefleisch im Brötchen) und ein kühles Sagres im unterhalb der Altstadt gelegenen Cafe Central gönnen. Von hier aus kann man auch einen lohnenden Abstecher zum Pulo do Lobo, einem imposanten Wasserfall am Rio Guadiana unternehmen (ca. 20km).

4. Tag: Mértola - Castro Verde - Rosario - Monte Mendes
81 km

Die Steppe ist mit dem Rad nur im Frühjahr und Herbst zu ertragen. Wir sind hier im Großtrappen-Gebiet; mit etwas Glück kann man Europas größten flugfähigen Vogel in den weitläufigen Flächen entdecken.

Des Weiteren gibt es hier Zwergtrappen, Raubwürger, Wachteln, Häherkuckuck, Rötelschwalben, viele Weißstorche, Wiesenweihen, Kolkraben um nur einige zu nennen. Nachts rufen Zwergohreule, Triel und Maulwurfsgrille.

Der Flutende Hahnenfuß ist in den jetzt noch wasserführenden Bächen allgegenwärtig.
Im Sommer sind diese ausgetrocknet und werden vom blühenden Oleander gesäumt.

Zum Glück ist es noch nicht Sommer!
Sieht vom Weiten aus wie Schaum - ist aber Flutender Wasserhahnenfuß
5. Tag: Monte Mendes - Aldeia do Fernandes - Ourique - Aldeia das Amoreiras - São Martinho das Amoreiras - Luzianes
66 km


Wir haben die Weite der Steppe verlassen und fahren nun durch eine landschaftlich sehr reizvolle, abwechslungsreiche Gegend.
Hier dominieren weitläufige Haine von Kork- und Steineiche. Am Wegesrand wachsen häufig wilde Gladiolen (Gladiolus illyricus). Die für ihr delikates Fleisch weltberühmten schwarzen Schweine dürfen hier noch über die Weiden traben.

Glückliche Sau
6. Tag: Luzianes - Milharadas - Odemira - Vila Nova de Milfontes
48km


Die abwechslungsreiche Landschaft nimmt kein Ende.
Auffällig sind die zahlreichen Orchideen die nunmehr den Wegesrand bereichern. Daneben steht auch schon mal der Mittelmeer-Schneeball (Viburnum tinus).
In Odemira kann man am Rio Mira die an der Oberfläche nach Nahrung suchenden Meeräschen beobachten; der Fluss ist hier demnach deutlich von Salzwasser beeinflusst. Wenn man die gefährliche N393 (kein Randstreifen, schlechte Fahrbahn, schnell fahrende Kfz) nach Milfontes überlebt hat kann man sich abends in den zahlreichen Kneipen amüsieren. Hier ist auch ein Campingplatz im Ort vorhanden.

In Odemira

7. Tag: Vila Nova de Milfontes - Carrascal - Almograve - Cavaleiro - Carrasqueira - Touril - Zambujeira do Mar
51 km

Das Cabo Sardão sollte als Abstecher unbedingt eingeplant werden. Auf den steilen, von Meeresgischt umtosten Felsen gehen mehrere Storchenpaare ihrem Brutgeschäft nach. Der Ostwind wehte an diesem Tag sehr stark, so dass ein Schwarm Dohlen Zuflucht in der Wind abgewandten Seite der Felsen suchte. Ostwind (aus Spanien kommend) bringt übrigens keinen Regen, wohl aber der vom Atlantik kommende Westwind, Nordwind wiederum bringt kalte Luft. In Zambujeira do Mar kann man auf einem Campingplatz nächtigen.

ungewöhnlicher Nistort: Storche auf den Klippen
Dohlen im Windschatten der Felsen
8. Tag: Zambujeira do Mar
0 km


Da der Wind auf West gedreht hat und tatsächlich jede Menge Regen im Gepäck hat, bleiben wir diesen Tag in Zambujeira do Mar. In den Felsen oberhalb des Dorfes kann man u.a. folgende Pflanzen finden: Silberweiße Zistrose (Cistus albidus), Sonnenröschen (Halimium atriplicifolium), Strand-Leimkraut (Silene littorea), den Schmarotzer Cytinus hypocistis. Als Abendessen empfehlen wir "carne de porco à alentejana" (Schweinefleisch mit Muscheln - lecker!)

"Staatsgründung"
9. Tag: Zambujeira do Mar - Aljezur - Carrapateira - Vila do Bispo - (Praia do Telheiro)
83 km


Unbedingt anschauen sollte man sich die Pontal bei Carrapateira. Von dieser windexponierten Felsküste hat man einen wunderschönen Ausblick auf den leicht muschelförmigen Praia da Bordeira. Bei Vila do Bispo nimmt man den rechts von der neuen Straße Richtung Sagres gelegenen alten Weg; dieser knickt nach ca. 2km Richtung Kap ab. Die Straße ist schlecht, dafür die Gegend umso schöner. Der Weg führt zur Steilküste von wo man einen schönen Blick auf das Kap von São Vicente hat. Man kann hier Schwarzkehlchen, Grauammer und ab Mai auch Bienenfresser beobachten. Vereinzelt sieht man mit über 2m Höhe ungewöhnlich große Exemplare der Zwergpalmen (Chamerops humilis). Nachts ruft der Triel.

Klippen an der Pontal
10. Tag: Vila do Bispo - Cabo de São Vicente - Sagres - Salema - Lagos - Alvor
76 km


Am Kap achte man auf die waghalsigen Angler in den Felsen. Entlang der Steilküste gelangt man schließlich in den kleinen Hafenort Sagres. Von hier aus kann man nun die Hauptverkehrstraße Richtung Lagos fahren, die wir erst wieder Richtung Salema verlassen. Der Ort hat einen langen Sandstrand und seit einiger Zeit auch eine Uferpromenade. Wenn man der durch den Ort führenden Gasse Richtung Osten (steil!) folgt, gelangt man zur Boca do Rio, einem schönen und wenig besuchten Strand. Nach einem starken Anstieg gelangt man oben angekommen zu einer römischen Ruine (rechte Hand), hier wächst die Spiegel-Ragwurz (Ophrys speculum). Weiter geht die Fahrt über Lagos zum Campingplatz in Alvor. Alvor ist der idealer Ausgangspunkt für die Erkundung der Serra de Monchique; der höchsten Punkt der Algarve ist der Foia mit 902müNN, der Ort Monchique liegt bei 460müNN.

Passiert schon mal...
11. Tag: Alvor - Portimão - Estômbar - Lagoa - Carvoeiro - Cabo Carvoeiro
26 km


Der Stadtstrand von Carvoeiro lädt zum schwimmen ein, allerdings ist das bei ca. 15°C im zeitigen Frühjahr nicht jedermanns Sache.... Am Cabo Carvoeiro konnten wir morgens einen großen Schwarm Alpensegler beobachten; darüber hinaus gibt es hier auch Felsentauben und Rotkopfwürger.

...man muss aber nicht gleich ins Wasser gehen!
12. Tag: Cabo Carvoeiro - Armação de Pera - Albufeira
42 km


Auf den Weg zum Praia de Marina gibt es Orchideen satt: Italienisches Knabenkraut (Orchis italica), Gelbe Ragwurz (Orchis lutea), Spiegel-Ragwurz (Ophrys speculum) und weitere Arten.
Nachdem man den hässlichen Hochhausort Armação de Pera durchfahren hat kommt man schließlich nach Albufeira. Die Altstadt ist ganz reizvoll und in der Nebensaison nicht von Touristen überlaufen.
Auf dem am Ortsrand gelegenen Campingplatz konnten wir in direkter Zeltumgebung neben den drei oben erwähnten Orchideen auch noch die Schnepfen-Ragwurz (Ophrys scolopax) nachweisen, nachts ruft hier die Zwergohreule.

In Albufeira
13. Tag: Albufeira - Quateira - Almansil - Faro
26km


Faro ist eine Universitätsstadt, das heißt, dass hier gefeiert wird! Es gibt einige Kneipen und Diskotheken; hier kann man dann einen gelungenen Radreiseurlaub in Portugal standesgemäß ausklingen lassen.

Dieses Jahr soll es wieder in den Süden Portugals gehen - ein Reisebericht hierzu wird folgen!


Text & Karte: O. König, Oliverk1972@compuserve.de
Fotos: O. König, G. Terwey, Ch. Uhlenbrock

"Klapperstorch" am Hafen
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